Elias Khoury

Elias Khoury Mamlaka al-ghurba'

Mamlaka al-ghurba'

(Königreich der Fremdlinge)


Sprache: Arabisch
1. Auflage ()
Paperback, 128 Seiten
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König­reich der Fremd­linge. Wenn die einzige Instanz, der noch an Wahr­heits­fin­dung gelegen sein könnte, der Schrift­s­teller ist und wenn Verdrängen und Vergessen das Gebot der Stunde sind, mag jede gute Story per se als Verrat an der Wahr­heit erscheinen. In Beirut ist das Vergessen das Gebot der Stunde. So wundert es nicht, dass sich auch der liba­ne­si­sche Autor Elias Khoury in dem kleinen Roman«König­reich der Fremd­linge», der as nun als erstes seiner Bücher in deut­scher Über­set­zung erschienen ist, von einer der Figuren dem Vorwurf ausge­setzt sieht, ihm läge«an der Wahr­heit nur, um sie nieder­sch­reiben zu können». Frei­lich ist der 1948 gebo­rene Khoury - zurzeit der wohl am höchsten gehan­delte Erzähler der Beiruter Lite­ra­tur­szene - in Wirk­lich­keit als scharfer Kritiker der rück­sichts­losen und geschichts­ver­ges­senen Wieder­auf­bau­po­litik in Libanon bekannt. Alle seine zumeist im liba­ne­si­schen Bürger­krieg spie­lenden Bücher sind als Boll­werke gegen dieses Vergessen zu lesen. Auch«König­reich der Fremd­linge»(der Titel bezieht sich auf ein Lied aus dem byzan­ti­ni­schen Gesangs­kanon, das in einer der Geschichten erwähnt wird) bemüht sich - manchmal etwas zu pene­trant -, den Vorwurf der Fälschung zu entkräften. Zu diesem Zweck unter­bricht Khoury seine Erzäh­lung stets mit Meta­re­fle­xionen über ihren Wahr­heits­ge­halt und zerstört so syste­ma­tisch und durchaus bewusst jede erzäh­le­ri­sche Illu­sion:«Doch worin liegt der Unter­schied? Wie verfahre ich mit der Geschichte des liba­ne­si­schen Mönchs? Ordne ich sie im Sinne Vladimir Props (sic!) als Volk­s­er­zäh­lung ein, oder begebe ich mich auf die Suche nach der Wahr­heit?»Während dies noch angehen mag, über­t­reibt Khoury spätes­tens dann, wenn er erzählt, wie er vor Erscheinen der«Sata­ni­schen Verse»Salman Rushdie traf, mit ihm über eine der Geschichten disku­tierte und schliess­lich das Manuskript der«Sata­ni­schen Verse»geschenkt bekam. Man weiss nicht recht, ob man dies als Ange­berei oder als - in der arabi­schen Welt natür­lich beson­ders provo­kante - Soli­da­ri­tät­s­er­klärung werten soll. (Neue Zürcher Zeitung).