Amin Maalouf

Amin Maalouf Al-Huwiat al-Qatila

Al-Huwiat al-Qatila

Dar Al-Farabi
Sprache: Arabisch
1. Auflage ()
Paperback, 231 Seiten
ISBN 9789953716626
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Mörde­ri­sche Iden­ti­täten. Es ist ein Unter­schied, ob man als Schwarzer in New York, Lagos, Pretoria oder Luanda zur Welt kommt, fast möchte man sagen, dass es sich im Hinblick auf die Iden­tität nicht um die gleiche Haut­farbe handelt. - (S. 25). Amin Maalouf, Jahr­gang 1949, gebür­tiger Liba­nese mit Wohn­sitz in Fran­k­reich, stammt aus einer melki­ti­schen (d. h. grie­chisch-katho­li­schen) Familie, ist prote­s­tan­tisch getauft und römisch-katho­lisch erzogen. Aus eigener Anschauung und als preis­ge­krönter Autor zahl­rei­cher histo­ri­scher Romane weiß er um die Bedeu­tung von Iden­tität, v. a. der Gewich­tung einzelner Apekte der Iden­tität wie Sprache, Reli­gion, Herkunft usw. Wie kommt es, dass sich ein und dieselbe Person beispiels­weise jahr­zehn­te­lang als Jugoslawe, einige Jahre später aber aussch­ließ­lich als Bosnier oder - einge­schränkt auf die reli­giöse Zuge­hö­rig­keit der Familie - als musli­mi­scher Bosnier bezeichnet?. Jedes Menschen Iden­tität setzt sich aus einer mehr oder weniger langen Liste natio­naler, lokaler, konti­nen­taler, reli­giöser, sozialer usw. Iden­ti­täts­e­le­mente zusammen. Domi­niert eines der genannten über die anderen (z.B. die Reli­gion in Bosnien) oder löst sich eine iden­ti­täts­s­tif­tende Einheit auf (Jugosla­wien), teilt sich aus der Sicht der Betrof­fenen die Mensch­heit in in jene, deren Iden­tität man teilt, und in die anderen, die vermeint­lich zu Fremden werden - auch wenn man seit Jahr­zehnten Tür an Tür wohnt. Die profunde histo­ri­sche Bildung des Autors erkennt man in jenen Teilen des Buchs, wo es um ände­rungen der Iden­tität geht, z. B. in der jüngeren Geschichte des Islam. (Wenn die Moderne vom Anderen kommt - heißt das zweite, dem Islam gewid­mete Kapitel.) Er wendet sich entschieden gegen den Usus, alles was in isla­mi­schen Ländern passiert, unter der Rubrik Islam - zu verbu­chen und den Islam für alle mögli­chen Entwick­lungen, v. a. die Tragö­dien, dieser Länder verant­wort­lich zu machen, sei es im blutig deko­lo­ni­sierten Alge­rien, im nie kolo­ni­sierten Afgha­nistan, in Paläs­tina, in Ägypten zur Zeit Napo­leons und in der heutigen Türkei. Ein histo­ri­sches Faktum werde ich mir in diesem Zusam­men­hang notieren und bei entsp­re­chenden, gegen­wärtig häufigen Gele­gen­heiten gerne zitieren: Ende des vorigen Jahr­hun­derts besaß Istanbul, die Haupt­stadt des damals mäch­tigsten isla­mi­schen Staates, eine nicht-musli­mi­sche Bevöl­ke­rungs­mehr­heit, beste­hend vor allem aus Grie­chen, Arme­niern und Juden. Wäre es denkbar, dass in jener Zeit in Paris, London, Wien oder Berlin über­wie­gend Nicht-Christen, Muslime oder Juden, gelebt hätten? - (S. 53/54) Die Mehr­heits­ver­hält­nisse in der Türkei änderten sich erst, als die Bedeu­tung reli­giöser Iden­tität ab- und der Natio­na­lismus blutig zunahm.